Freischwebende Intelligenz

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Warten auf Armaggodot

Wie schafft man es, sich dem Strudel des Nihilismus zu entziehen?

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Milosz Matuschek
Apr. 04, 2026
∙ Bezahlt
Jünger, Beckett, Thoreau, Emerson und die Frage: Was tun? (Bild: KI)

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Warten auf Godot. Zwei Männer stehen da, irgendwo an einem Weg, neben einem Baum, der kaum einer ist. Sie warten. Godot soll kommen. Aber Godot kommt nicht. Das Leben ist absurd, und muss doch Sinn ergeben. Also warten wir. Wir hoffen. Wir machen irgendwie weiter. Heute warten wir nicht mehr nur auf Godot. Wir warten auf Armaggodot. Das Weltuntergangsereignis. Die Katastrophe. Den großen Einschnitt.

Wir schauen hin, oft etwas zu gebannt. Warten, hoffen, weitermachen. Und irgendwo dazwischen versuchen wir, einen Sinn zu finden. Denn vielleicht kommt das Armageddon ja (wieder mal) nicht. Der Bannstrahl der katastrophischen Aufmerksamkeitskaperung ist der eigentliche Vertriebsweg für das Gift des Nihilismus. Das Armageddon erscheint als Multi-Krise auf dem Weltenplan: Ölpreisschock. Einschränkung des Bewegungsradius. „Energie-Lockdown“. E-ID und CBDCs. Düngemittelmangel. Missernten. Rationierung. Die Liste ist offen.

Ernst Jünger, Über die Linie (1950)

Mit der Angst vor der nächsten großen Katastrophe wird jedoch schon der erste geistige Käfig gebaut. Man wartet auf das Ereignis Armaggodot — und es fühlt sich an wie das Zusteuern auf eine Gabelung, ohne dass man die Weichenstellung erkennen kann. Gerade ist Godot keine Figur mehr, sondern eine näher rückende Linie. Ein Erwartungshorizont. Ein Möglichkeitsraum. Oder Unmöglichkeitsraum.

Jedes Regime hat seine Codesprache. Victor Klemperer nannte sie die Lingua Tertii Imperii. Eine Sprache, die nicht erklärt, sondern formt. Jede Diktatur lebt davon, dass man ihre Hieroglyphen noch nicht entziffern kann, fand auch Ernst Jünger. Sie arbeitet nicht mit klaren Befehlen. Sondern mit Zeichen. Bei Corona waren es Kinderimpfungen. Öffentliche Beschämung. Exempel für Einzelne auf der Bühne vor Vielen: “Wir zeigen euch etwas. Ihr erduldet den Anblick des Störfalls. Und dürft euch euren Reim darauf machen.” Es war die Codesprache des Exempels.


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Exemplarisch geht es in die nächste Runde: Das nihilistische Exempel unserer Zeit ist der Journalist Hüseyin Doğru aus Berlin. EU-Sanktionen haben ihn und seine Frau alle Konten gekostet. Der Familie bliebt nicht mal ein Existenzminimum, zudem kann bestraft werden, wer ihnen hilft. Was darf eigentlich EU-Recht, wenn es um die Menschenwürde geht? Die Menschenwürde ist zu achten und zu schützen. Zur Menschenwürde gehört die Sicherung eines Existenzminimums. Wieso darf die EU etwas nehmen, was die emblematische Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes gibt? Wenn das Grundgesetz noch etwas wert ist, müssten lokale Sozialbehörden hier und jetzt ihrer Schutzpflicht nachkommen.

Der Nihilismus geht dem Einzelnen ans Leder und trifft ihn unmittelbar. Doch er gewinnt erst, wenn dieses unmenschliche Exempel unwidersprochen oder folgenlos bleibt. Ein Verbot basaler menschlicher Hilfe: einem Hungernden ein Stück Brot zuzustecken. Derartiges wurde in Lagern und Gefängnissen schlimmster Diktaturen verboten. Vorgeführt wird nicht nur das Exempel des Entrechteten, sondern auch die Entsolidarisierung der Öffentlichkeit als Verrat am Mitbürger. Das vorläufige Nichtbetroffensein reicht schon für die Einübung von duckmäuserischem Verhalten. So arbeitet der Nihilismus. Nicht mit Gewalt. Sondern mit Gewöhnung.

Nihilismus ist Schwund. Reduktion. Er nimmt alles und zwar Stück für Stück: Das romantische Gefühl und die Lust auf Überhöhung. Die Hoffnung. Die Kraft zur Transzendenz. Die Fähigkeit zur Manifestation neuer Umstände. Was bleibt, ist Funktion. Und eine seltsame Leere. Auch die Medizin kann nihilistisch werden. Dann heilt sie nicht mehr, sondern verwaltet. Dann wird der Mensch nicht mehr gesehen, sondern behandelt. Dann kippt Fürsorge in Kontrolle. Eine Perversion, die sich nicht laut ankündigt, sondern leise etabliert und sich schließlich als “State of the Art” präsentiert.

Was setzt man dem entgegen?

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