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Avatar von Madhatter

Lieber Milosz,

ich wünsche Dir gesegnete Weihnachten. Du bist wichtig, Du ermunterst, tust gut, schaust hin. Seit langem.

Zu diesem Text, der seine Meriten hat, möchte ich ein paar Anmerkungen liegen lassen.

1. Das Netz ist nicht alles. Weil es eine Abhängigkeit schafft, penetriert und festschreibt. Wenn ich das Haus verlasse, sehe ich 9 von 10 Personen mit dem digitalen Brett vor dem Kopf, das Hier und Jetzt ausblendend. Auch wenn Du unabhängig bist, die meisten sind und wollen das gar nicht.

2. Humor ist der Nagel, an dem man eine ganze Welt aufhängen kann. Hat Wilhelm Raabe rechtens postuliert. Es gibt nichts Durchschlagenderes als subversiven Humor. Das haben wir vor allem von den vermaledeiten britischen Insulanern gelernt, Swift, Sterne, Dickens, Carroll. Wir haben auch Hochkaräter wie Ringelnatz, Karl Kraus, Tucholsky. - Aber im Netz sind viele Blasen, manche Memes sind ja nur für echte Insider entschlüsselbar. Das mehrt die Freude, aber mindert die Reichweite.

3. Analog oder digital?

Freilich, eine rhetorische Frage. Es scheint sich alles Progressive ins Digitale verlagert zu haben. Das halte ich für gefährlich in multipler Hinsicht. Sowohl subjektiv wie objektiv. Wer seinen Humor im Netz verausgabt, seine Ideen an blogs und Plattformen verschwendet, wird dafür meistens im Analogen, im Alltag (schon mangels clicks usw.) Schmalhans Küchenmeister sein lassen. Fatal, fatal. Jedenfalls kenne ich einige solcher "Digifreaks".

4. Cui bono?

Die Gretchenfrage, auch hier.- Wir liefern Daten, mit jedem, auch originellen Input ins Netz.- Wer im Netz flaniert, konsumiert erstmal. Viel. Wie siehts mit dem Verdauen aus??? Auch memes verblassen. Noch schneller als vieles andere, was für immer in Stein und nicht in Binäres gemeisselt bleiben sollte. Die Reflexion leidet, die Handlungsimpulse reduzieren sich auf Tastatur und websites.

Wir werden noch viel lernen (müssen). Optimismus schwächt sich dann, wenn er sich auf Mittel verlässt und das Gegebene für sicher und haltbar hält.

Dennoch: Danke für alle Anstösse, alle Deine wunderbar eloquenten Analysen!

Avatar von Martin

Danke für den feinen Link (sniplink), werter MM. Reingeschaut, viel gelacht. Apropos Link bzw. Links. Mal abgesehen davon, dass ich als älteres Baujahr heute (leider) keine politische Linke, im Sinne der Arbeiterbewegung, Anwälte des Proletariats etc., mehr sehe, dafür sehr viele "Linke" sehe - link als antonym zu fair, redlich. Wenn ich mir also die Pseudo-Linken, aber auch die Alt-Linken nach echtem Schrot und Korn, anschaue. Die Feststellung „The left can`t meme“ scheint mir da bemerkenswert wahr... die Damen und Herren haben nach meiner Erfahrung eher an der dunklen Seite gebaut, ohne Selbstironie, gar fröhlichem Lachen über sich, oder (natürlich unpassendem) fröhlichem Lachen über die Welt? Schade eigentlich! Warum ist das so? Ein Strauss hatte Humor (wenn ich da an die heftigen Karikaturen denke), oder heute ein Söder, der ist karikierbar, lacht durchaus hin und wieder über sich z.B. bei Erwin Pelzig. Ein Laschet lachte sogar zuviel. Anyway...

PS. Ahnung (substantiated guess) zu den Hintergründen hätte ich. Überlass ich aber hier lieber den Gebildeteren, ggf. Fachleuten… :-)

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