9 Kommentare
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Avatar von Marc Gallus

Das Zauberwort heisst Ataraxie.

Vielen Dank, lieber Milosz, für diesen erhellenden Artikel.

Wachen Geistern, die nicht tief in die Schriften der Stoikern eintauchen mögen oder dies aus zeitlichen Gründen nicht leisten können, empfehle ich Folgendes: Bilde dein Herz und deine Urteilskraft beim unterhaltsamen Lesen von Michel de Montaigne (Essais), Marc Aurel (der Weg zu sich selbst), und... was immer in den Rucksack oder in die Handtasche passt, Epiktet (Das Handbüchlein der Moral, ca Fr. 4.--, Reclam) -nicht vom Wort Moral abschrecken lassen! ;-).

Ich freue mich schon auf die nächste "Freischwebende- Intelligenz-Post".

Marc Philippe Gallus

Avatar von Martin

Merci Marc, für feine Empfehlungen (nach meinem Geschmack)! Jedenfalls Nahrung für den kritischen Geist - von dem hier bei MM Einiges zu finden ist. Wie schön!

Als Autor der Stoa würde ich noch Seneca hinzufügen. Und als Leitsatz oder Leitidee der Stoa ist meine erste Wahl "secundum naturam vivere" - zeitlos, so aktuell?

PS. Ich denke, über die (landläufige) Gewichtung der Ataraxie oder Apatheia als "typischer" Kern der Stoa, ließe sich trefflich disputieren z.B. Weg oder Ziel? Ich seh die Begriffe nicht als "Erfindung" der Stoa, eher als Kern der klassischen griech. Philosophie (Weisheit) generell? Nur meine persönliche Sicht.

Avatar von Milosz Matuschek

An Seneca dachte ich auch, er war mir mit Nero aber etwas zu sehr an der Dunkelheit dran und auch sein Ende (Suizid auf Geheiß Neros)...schien mir in der praktischen Arbeit kein mehr so leuchtendes Beispiel zu sein...

Avatar von Martin

Werter Milosz, habe ich genauso gesehen oder gefühlt - Weiß nicht viel, nur ein Wenig. Er hat wohl nicht immer an der hellen Seite der Straße gebaut? Depressionen? Im oft dunklen Ton erinnert er mich an die Existentialisten. Aber es gibt auch viel Licht in seinen Briefen - den Wenigen, die ich kenne. Sein Engagement bei Nero war zweifellos "erzwungen". Als Nero ihn entläßt, schreibt er von großem Glück & Erleichterung, an seinen Freund Lucilius. Das mit dem Selbstmord "..auf Geheiß Nero´s" halte ich für zeitgenössische (kirchliche?) Propaganda, so wie es dargestellt wird. Vielleicht war er für seine Zeit das, was heute als "Putin-Versteher" verteufelt wird? Sein Selbstmord - Denke er folgte seinem Idol Sokrates, dessen größter Verehrer Seneca war "...Platon, Aristoteles und die gesamte Schar der nach verschiedenen Richtungen hinstrebenden Philosophen verdankten dem Sokrates mehr Anregungen von Seiten seines Charakters als durch seine Worte." (Brief an Lucilius). In seinen so klugen Briefe spiegelt sich eine Gesellschaft, die für mich sehr sehr viel Ähnlichkeit mit unserer hat. Briefe / Gedanken kommen mir vor, wie von einem Dissidenten, oder einem Vertreter der südamerik. Intelligencija zu Zeiten der Verfolgung. Hier, ab S.79 kann man reinlesen, vielleicht ein Q.e.d. :-) https://www.asclepiosedition.de/philosophie/Seneca-Briefe-an-Lucilius.pdf

PS. Seine Satire Apokolokyntosis (Verkürbissung des Claudius) wird oft als opportunistische Anbiederung an Nero" verkauft" (siehe kirchl. Propaganda, Putinversteher) - ist für mich das Gegenteil. Nur meine persönliche Meinung (lächel). Ein ätzendes Sittenbild, des Verfalls (Wahnsinns) der späten Claudier, Caligula, Claudius, Nero vs. die großen Claudier Augustus, Tiberius?

Avatar von Marc Gallus

Lieber Martin. Als einfacher, nicht-akademischer, Beobachter des Lebens freut es mich sehr, dass mein Kommentar bis zu deinem Ohr gelangt ist. Danke für deine wertvollen Ergänzungen... und gerne möchte ich lesen, was deine Stoa-Autorentätigkeit ins Werk setzt (sofern dies nicht in Latein verfasst ist;-). Kontaktiere mich gerne! Herzlich, Marc Philippe

Avatar von Martin

Werter Marc, es war eine Freude offensichtlich einen Gesinnungs-Sozius zu lesen. Ich würde Ihrem Kanon noch die Selbsbetrachtungen v. MA hinzufügen, und Diderot, Jakob und sein Herr. Wunderbar, fand ich es. Und beides sehr lichte Texte ;-) - gerade Letzteres m.E. "hochaktuell"? Und akademisch, nein - ich bin in diesem Sinne auch nicht-akademisch. Und habe viel zu wenig Zeit verbracht mit diesen Büchern - ihrem wundervollen Montaigne, oder den Büchern, die ich hier wohlfeil empfehle, die ich aber immerhin auf dem Nachttisch habe. Werde mich an der Nase packen, wenn ich schon Lesetips gebe... Herzlich Martin PS. Ist doch eine gute Idee, hier einen Kanon der lichten Erkenntnis zu sammeln?

Avatar von Matthias Matussek

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Avatar von Harald

Vielen Dank! Ich wünsche allen die Erkenntnis der Hermetischen Gesetze! Meine geliebte archetypische Kombinationslehre wäre ohne sie nicht Denkbar. Danke

Avatar von Martin

Prallvoll an Denkanstößen, oder gar Erkenntnissen. Danke Milosz! Wie es mir scheint, mit Begeisterung und Inspiration geschrieben? Gab auch schon andere Essays (lächel).

Ich habs Anderen zum Lesen gegeben - jeder hat erstaunlicherweise eine andere Essenz herausgelesen. Meine Essenz war der Gedankengang "Gegenpole zu denken" (zu fühlen?), als eine Voraussetzung für Erkenntnis, Erweiterung des Horizonts. Denn "Begrenzt ist die Vorstellungskraft, nicht die Fähigkeit zum Denken" - Aufwachen heißt das dann für Erwachsene mit allen Vor- und Nachteilen. Auch wenn das Licht Schönes, wie auch Unschönes, beleuchtet, fühlt man sich wohl besser im Licht, als im Dunkeln? Für mich ist Aufwachen keinesweg elitär konnotiert - eher im Gegenteil! Viel Vorstellungskaft haben Kinder (vor der Pubertät) - das scheint dann Weggebildet zu werden, unter die Räder zu kommen? Wenn ich mir meine Erwachsenen so anschaue (und mich selbst). Kann ich aber trainieren z.B. indem ich meine Blase verlasse - wie der Bauer die Komfortzone des Naheliegenden & Augenscheinlichen. Und dabei helfen Sie mir, werter Milosz M.