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Avatar von Ralf Westphal

Antifragilität. Ja. Aber was ist das konkret? Auf dem Paket für UPS würde stehen "Bitte werfen und fallenlassen!"😁

Sie ist das Gegenteil von dem, was das Ziel aller Aufzucht und Pflege von Kindern in den letzten 80 Jahren war. Denn nie wieder sollten chaotische (oder schlimmere) Verhältnisse eintreten.

Deutschland ist Weltmeister der Effizienz. Die ist aber das Gegenteil von Antifragilität. Insofern wird es dem Deutschen besonders schwer fallen, diese Eigenschaft zu entwickeln, fürchte ich.

Dazu kommt, dass der Deutsche sich selbst zum Gegenentwurf der Antifragilität stilisiert hat, nämlich zum generational Traumatisierten. Und das darf nie aufhören, denn es würde ja Vergessen bedeuten. Dann könnte "es" wieder passieren.

Traumatisiert ist, wer nach einer Belastungssituation nicht wieder sein volles Vermögen wieder herstellen kann. Beispiele: Nach einem Beinbruch bleibt ein Humpeln zurück. Nach einem Überfall im Parkhaus traut sich jemand nicht mehr abends allein in die Stadt.

Antifragil hingegen ist, wer nach einer Belastungssituation nicht nur sein volles Vermögen wieder herstellt, sondern sogar darüber hinausgeht. Beispiele: Nach einem Sturz, heilt die Verletzung aus und die Gestürzte geht anschließend zum Krafttraining, um sich beim nächsten Mal besser abstützen zu können. Nach einem Überfall im Parkhaus nimmt das Opfer an Selbstverteidigungskursen teil und fühlt sich sicherer als zuvor.

Was ist also für Antifragilität nötig? Alles beginnt mit einem Mindset, das nicht auf Operhaltung, nicht auf Berechtigung, Entitlement beruht. Antifragilität gibt es nicht geschenkt; sie muss selbst entwickelt werden.

Dann braucht es nicht nur, einen Wurf ins kalte Wasser (Schicksal), sondern den Sprung ins kalte Wasser (Selbstbestimmung). Antifragilität wird nicht entwickelt, indem man auf den Sturz oder den Überfall wartet, um sich danach antifragil zu verhalten. Vielmehr sind belastende Situationen aktiv aufzusuchen, um an ihnen schon vor der Notwendigkeit zu wachsen. Antifragilität braucht die bewusste (Über)Forderung.

So ein Sprung muss ja nicht ohne Rettungsleine oder Plan B sein. Piloten und Feuerwehrleute lernen ja auch vor allem erstmal in Simulationen. Dennoch muss die Situation sich mindestens ernst anfühlen.

Es geht also um Erfahrungen: Belastungserfahrung und danach Wachstumserfahrung.

Die lassen sich in Gemeinschaft leichter machen. Und gute Gemeinschaft, Partnerschaft, Liebe selbst ist auch antifragil.

Außerdem Werte! Ganz persönliche Antworten auf "Warum halte ich das eigentlich alles aus?" Nietzsche lässt grüßen, Mark Manson auch.

Ein kleiner Vorschlag zum Üben: Auf dem Job mal Nein sagen. Bewusst eine Grenze ziehen. Für sich selbst (oder andere) einstehen. Das ist für viele jenseits der Grenze ihrer Komfortzone. Gerade deshalb: Nur Mut!

Avatar von Andrenio

Hatte gerade einen echten deutschen Patrioten zu Besuch. Bisher war eher die Version "ab nach Sachsen" angesagt und ggf. die Mauer wieder hochzuziehen (diesmal nicht als antifaschistischer Schutzwall sondern gegen Immigration und linksgrüne Meinungsdiktatur).

Vor fünf Jahren waren so gut wie alle seiner Freunde auf diesem Standpunkt.

Seit einem Jahr sind fast alle (und das sind mit den Familienmitgliedern nicht wenige) entschlossen in ein Land außerhalb der EU auszuwandern, wobei aus finanziellen Gründen die Schweiz für so gut wie alle ausscheidet. Nicht alle sind so begütert wie Markus Krall.

Bei mir sieht es genau anders herum aus. Ich habe mehrere Greencards, zwei Pässe, Freunde in der ganzen Welt, und trotzdem bleibe ich erstmal hier.

Meine Tochter wandert allerdings noch dieses Jahr mit Kind und Kegel in die Schweiz aus. Sie hat mit allen ihren Kindern allerdings das Privileg eines südamerikanischen Passes. Grund hierfür ist, dass sie noch zwei Söhne hier hat, die sie nicht der Rüstungslobby in den Rachen werfen will. Der dritte Sohn ist bereits Schweizer und hat letztes Jahr den ersten Teil seines Wehrdienstes abgeleistet.

Ich bin aber gerne bereit Auswanderungsberatung zu leisten.

Meine derzeitige Empfehlung ist nach dem mit eindeutiger Mehrheit ausgestatteten Regierungswechsel das Land Chile. Im Süden, den ich sowieso bevorzuge, kann man für unter € 200.000 ein halbes ha, voll erschlossen mit Strom und Wasser, sowie mit einem schönen großzügigen Holzwohnhaus erwerben. Der Eigentümer des großen landschaftlichen Besitzes, der die Parzellierung vornimmt, ist in der ? Generation Ur-Ur-Enkel deutscher Einwanderer.

Ich selbst habe ganz in der Nähe bereits ein Grundstück und denke daran in dieser neuen Gemeinschaft auch noch eines zu erwerben.

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