Corona war ein Hygiene-Putsch
Der neue Dokumentarfilm "Der Hype" von Mike Wyniger zeigt, wie Machtergreifung heute funktioniert. Eine Rezension.
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In “Das verführte Denken” beschreibt der spätere Nobelpreisträger Czesław Miłosz die geistige Machtergreifung der kommunistischen Doktrin im besetzten Polen.
Die Schlüsselszene ist ein Künstlerkongress. Die Säle sind voll von Schriftstellern, Malern, Professoren, Kritikern und Künstlern. Viele haben den Krieg erlebt, einige waren im Widerstand. Viele betrachten sich als unabhängige Geister. Sie sind jedenfalls keine überzeugten Kommunisten.
Plötzlich erscheinen Parteifunktionäre, Kulturfunktionäre oder marxistische Theoretiker und beginnen, die neue Weltsicht zu erklären. Der historische Materialismus wird dabei nicht als Hypothese präsentiert, nicht als interessante Theorie oder möglicher Deutungsansatz, sondern als wissenschaftlich bewiesene Wahrheit. Die Botschaft lautet sinngemäß: Die Geschichte hat ein Gesetz. Dieses Gesetz ist erkannt worden. Der Marxismus hat es entdeckt. Wer diesem Gesetz widerspricht, widerspricht nicht einer Meinung, sondern der objektiven Entwicklung der Geschichte.
Die alte Kategorie von Ästhetik, Logik oder Theorie war verschwunden – man konnte nicht mehr eine Theorie für falsch oder eine Deutung für mehr oder weniger plausibel halten. Die neue Doktrin, die alles durchzieht, lautet: Stehst du auf der richtigen oder auf der falschen Seite der Geschichte?
Czesław Miłosz beschreibt die Einleitung eines Paradigmenwechsel durch einen Moment geistiger Unterwerfung. Zuerst lachten viele Intellektuelle noch innerlich. Die Vorträge wirkten grobschlächtig, dogmatisch, intellektuell irgendwie primitiv. Die Autorität der Parteikader und Provinzfunktionäre, die kaum zu verstehen scheinen, worüber sie sprechen, wird angezweifelt. Und doch: Niemand lacht laut, niemand widerspricht offen, niemand steht auf und verlässt den Saal. Alle haben gleichzeitig bemerkt, dass die Machtverhältnisse sich verschoben haben.
Erst folgt die Ironie, dann Anpassung, dann Selbstzensur, dann die Übernahme der Sprache, schließlich die Übernahme der Denkformen. Man beginnt nicht damit, Marxist zu werden, sondern marxistische Begriffe zu verwenden, sich in ihnen zu Hause zu fühlen. Der Intellektuelle spaltet sich in eine öffentliche und eine private Person, den Ketman. Doch irgendwann verliert man die Fähigkeit, zwischen Maske und Gesicht zu unterscheiden. Die innerliche Umformung beginnt, eine psychologisch billige Anpassung vollzieht sich: War soll ich nicht glauben, was mir nutzt? Damit ist die geistige Landschaft verändert und ein neues epistemisches Betriebssystem installiert.
Der forcierte Paradigmenwechsel
Wenn man die Corona-Jahre Revue passieren lässt, muss man einen ähnlichen Mechanismus konstatieren. Es gab eine Wissenschaft bis 2020 und eine, die ab 2020 zu gelten schien. Der Intellektuelle wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Wissenschaft war plötzlich und erstmals “klar”: The science is settled – trust the experts.
Eine neue Blaupause von Begriffen und Deutungen legte sich über das Land und wurde von Medien und Politik genutzt. Ein neues Anreizsystem begann zu wirken. Schließ’ dich der neuen Wissenschaft an, und deine Karriere geht weiter oder steigt schnell in ungeahnte Höhen. Halte dagegen, und du wirst für radioaktiv erklärt, ausgeschlossen oder lächerlich gemacht.
Ein neuer Film bringt diese Ungereimtheiten jetzt in aller Deutlichkeit zurück vor das geistige Auge. “Der Hype” von Mike Wyninger dreht sich vornehmlich um einen großen Fake und beschreibt den Prozess des forcierten Paradigmenwechsels, der plötzlichen Veränderung der Entscheidungsgrundlage. Die Inthronisation der hygienischen Nomenklatura und die Ausrufung der neuen Doktrin folgte aus dem Nichts.
Die Stunde der Opportunisten und Parvenüs schlägt schnell und kurz: Ein Autor wie Thomas Pueyo steigt in den Sternenhimmel der Medienwelt auf. Ein Wirtschaftsingenieur und Geschäftsmann aus dem Silicon Valley prägt die neue Sprache der Nomenklatura, u.a. in der New York Times: Flatten the curve, hammer and dance. Es sind seine Begriffe, die fortan in den Mündern von Wissenschaftlern der richtigen Seite zur Begründung der schwersten Grundrechtseingriffe in der Geschichte der Demokratie führen. Große Wirkung auf die Politik überspielt fehlende Fachkompetenz.
Dass das Ganze Pseudowissenschaft war, bestätigte auch der Soziologe Heinz Bude, der als Berater der deutschen Regierung unter anderem am Panikpapier mitwirkte und erklärte, dass „flatten the curve“ sich wissenschaftlich anhören sollte, um Folgebereitschaft zu erzeugen.
Ein medial gehypter Influencer für die neue Normalität zieht also den Karren für die neue Pseudowissenschaft von Modellierern und Furchtappelle-Empfehlern.
Ein prägnantes Beispiel für die weitere Konzentration des Expertentums in der Schweiz ist die Personalie Matthias Egger. Dieser war nicht nur der erste Präsident der Swiss National Covid-19 Science Task Force, sondern gleichzeitig auch Präsident des Schweizerischen Nationalfonds, der wichtigsten Institution zur Finanzierung wissenschaftlicher Forschung in der Schweiz.
Die Entstehung der Task Force erfolgte, anders als erklärt, auf Eigeninitiative. Man könnte sagen: Inthronisation. Man begründete dies mit dem Ruf des Bundes, also einer Anfrage. Doch l’état-c’est-moi-mäßig folgte man dem eigenen Ruf lieber gleich selbst. Die schnelle Eingreiftruppe des gesunden Wissenschaftsempfindens legte sich kurzerhand selbst als Überraschungsei neuer Prägung ins fremde Nest der politischen Entscheidungsfindung.
Die Personalie Egger hatte Signalwirkung. Man braucht kein Wissenschaftsexperte zu sein, um sich in die Lage eines Forschers hineinversetzen zu können, der bei öffentlicher Kritik an der wissenschaftlichen Deutung dieses Gremiums sicher eine Neuberechnung seiner Chancen beim Erhalt zukünftiger Forschungsgelder durchführen durfte.
Das große Vertrauensvakuum: Was stimmte denn überhaupt?
Schaut man den Film von Mike Wyniger heute aus eigener Distanz, fragt man sich, was denn überhaupt von dem, was offiziell über Corona, Maßnahmen und Impfungen erzählt wurde, richtig war. Man findet wenig.
Die BAG-Statistik von 2020 zeigt kein außergewöhnliches Bild im Vergleich zu den Vorjahren bezüglich grippeähnlicher Erkrankungen.
Der Ausbruch der Pandemie auf der Diamond Princess zeigt, dass sich unter engsten Bedingungen nur etwa 20 Prozent der Passagiere infizierten. Viele dieser Informationen wurden nicht öffentlich.
Die WHO änderte kurzfristig die Pandemiedefinition, sodass die Gefährlichkeit eines Erregers keine Rolle mehr für die Ausrufung einer Pandemie spielt.
Mathematische Modelle wie die des Imperial College prognostizierten für Schweden im Frühjahr 100.000 Tote. Tatsächlich waren es etwa 3.000.
Gleichzeitig wurden derartige mathematische Modelle zum neuen Gral der Wissenschaft erklärt, obwohl sie um den Faktor zehn bis hundert danebenlagen.
Die Ereignisse in Bergamo dienten als medialer Brandbeschleuniger. Die Bilder von Bergamo beruhten jedoch auf Systemkollaps, Pflegeflucht und Fehlbehandlungen statt allein auf dem Virus.
Das hinderte die Medien nicht daran, psychologische Kriegsführung in Form von Bildern von Militärkonvois zur Panikerzeugung zu nutzen.
Was stimmte an der Spitalauslastung, die kaum die wirtschaftliche Mindestauslastung von 85 Prozent erreichte?
Wozu diente der PCR-Test als Fundament, ohne den es keine Fälle und keine statistische Grundlage für Maßnahmen gegeben hätte? Ein Test, der keine Aussagekraft für Infektiosität oder Erkrankung besitzt und beides nicht diagnostizieren kann.
Das BAG änderte plötzlich sein Merkblatt von 2020, wonach ein PCR-Nachweis plötzlich eine Infektion belegt.
Dazu kommen: Fehlende Differentialdiagnosen, also das Testen auf andere Erreger mit ähnlichen Symptomen, übertriebene CT-Werte, das Testen von Gesunden, die Definition von Corona-Toten, Unfallopfer in Statistiken, finanzielle Anreize für Kliniken, keine Science-Task-Force-Protokolle. Warum auch? Wir sind eh die Allerbesten.
Nicht zu vergessen: Trusted-News-Initiativen, bei denen sich Medienhäuser darauf einigen, keine Kritik am Corona-Narrativ oder an mRNA-Behandlungen zu verbreiten, behauptete Evidenz für Masken. Defizite bei Masken und Studienqualität, Cherry Picking von Wissenschaftlern und Einzelstudien. Vermeidung von Obduktionen. Und all das mündet in einer fehlenden Aufarbeitung, da Corona ja vorbei ist.
Zu welchem anderen Schluss will man kommen? Der Hype war die notwendige Geräuschkulisse für einen gigantischen Wissenschaftsbetrug. Und die Generalprobe für eine zeitweise medizinisch-militärisch-technokratische Machtübernahme.
Ist nach dem Hype vor dem Hype?
Das sind alles nur die Ungereimtheiten, die man aufzählen kann, ohne auf das noch größere, noch viel widersprüchlichere Thema der “Impfungen” zu sprechen zu kommen, denen der Film leider nur eine kleine Rolle einräumt.
Der Sprengkraft des Films nimmt dieser Umstand wenig: Der Zuschauer darf sich den Rest denken, dass ein schon mit dem ersten Knopf falsch zugeknöpftes Hemd am Ende nicht aufgeht.

Corona war somit der große Testdurchlauf, die große Generalprobe für einen in einem fiktiven Ausnahmezustandsszenario vorbereiteten, brachial erzwungenen Paradigmenwechsel. Ein Test darüber, wie schnell es gelingt, die Entscheidungsgrundlagen einer Gesellschaft gänzlich zu verändern und damit ihr Schicksal in eine bestimmte Richtung zu lenken. Alle Institutionen haben sich bei Corona desavouiert: Medien, Wissenschaft, Politik, Justiz. Durch die Bank. Im Gleichschritt. Teils in vorauseilendem Gehorsam.
Der Film „Der Hype“ kommt heute zur rechten Zeit. Man muss nicht naiv sein, um zu sehen, wie an vielerlei Stellen wieder am Equalizer der Panik gedreht wird. Mal Hantavirus, dann Ebola, eine bevorstehende WM als mögliches Superspreader-Event stünde auch schon bereit. Nach dem Hype ist schnell vor dem Hype, vor allem, wenn die WHO wichtige Pandemievorschriften gerne unter Dach und Fach hätte.
Krisen sind nicht unbedingt dadurch charakterisiert, dass es rumst und kracht. In Krisen wird zuerst das soziale Grundkorsett weich, die Maßstäbe verschieben sich. Verbindlichkeit und Verlässlichkeit lassen zu wünschen übrig. Alles geht aus dem Leim. Die Institutionen haben es vorgemacht.
Es ist diese Verflüssigung des Bestehenden, das Ständische und Ständige, das verdampfen muss, welche die Machtergreifung bei Corona dem “verführten Denken” nach angeblich neuen, unausweichlichen Doktrinen so ähnlich macht und damit ein Lehrstück darstellt für einen immer noch ungeaufarbeiteten kollektiven Irrtum, den die Öffentlichkeit vor dem Hintergrund einer Massenpsychose für Wissenschaft halten sollte.
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