“Vorausdenken heute auf morgen und auf viele Tage. Die größte Vorsicht ist, dass man der Sorge und Überlegung besondere Stunden bestimme. Für den Behutsamen gibt es keine Unfälle und für den Auferksamen keine Gefahren. Man soll nicht das Denken verschieben, bis man im Sumpfe bis an den Hals steckt, es muss zum voraus geschehen. Das Kopfkissen ist eine stumme Weissagerin; und sein Beginnen vorher beschlafen, ist bessser, als nachmals darüber schlaflos liegen. Das ganze Leben muss ein fortgesetztes Denken sein, damit man des rechten Weges nicht verfehle.”
- Baltasar Gracián – Kunst der Weltklugheit
In der Sommer- und Urlaubszeit werden wir daran erinnert, dass unsere Energiespeicher nicht endlos sind und dass wir sie wieder auffüllen müssen. Was das mit Vermögen zu tun hat?
Vieles, wenn nicht alles.
Beim Wort “Vermögen” denken viele an Reichtümer. Doch das wäre zu kurz gegriffen. Vermögen ist für mich eine Form von gespeicherter Energie und der Umgang damit letztlich Energiemanagement. Wie schaffe ich es, ein Mehr an Energie, das ich durch eine Anstrengung meiner Kräfte, durch Schicksal, Glück oder eine Tätigkeit erwirtschaften konnte, zu speichern oder gar zu mehren, um nach Bedarf darauf Zugriff zu haben? Vermögen bedeutet letztlich, dem Wollen ein Können folgen zu lassen, indem man über Energiereserven verfügt. Zum Vermögen zähle ich nicht nur, was man an Geld, Gold oder Bitcoin angesammelt hat, sondern auch die eigenen Talente, also Fähigkeiten und Neigungen, die man ausbauen oder Kompetenzen, die man erwerben will, sowie das soziale Kapital: Familie, Freunde, ein Netz aus Gleichgesinnten, wo Energieaustausch eine ganz andere Bedeutung bekommt.
In Krisenzeiten ist diese Form des ganzheitlichen Vermögensschutzes (materiell, ideell, sozial) besonders essentiell.
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Kein Systemwechsel ohne Energie-Ausbeutung
Wir leben in Zeiten eines Systemwechsels, einer Form der Entartung der Spätdemokratie in einen Autoritarismus mit gutmenschlichem Antlitz. Ein altes System kommt zum Ende, ein neues ist noch nicht entstanden, zeichnet sich aber durch seine Hieroglyphen an der Wand bereits ab. In solchen Systemwechseln geschieht beim Staat eine Kontraktion der alten Kräfte, die alle Energie aus dem bestehenden System mobilisieren will. Der Staat wird besonders penetrant, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. Auf die Kontraktion der Macht folgt eine Extraktion auf dem Energielevel. All das vollzieht sich schleichend und Stück für Stück. Auch die finanzielle Freiheit stirbt zentimeterweise. In Kriegszeiten geht es dann ganz schnell und alle Energie kennt nur eine Richtung: in die Kriegsmaschinerie.
Wir sehen es gerade überall: Ein bisschen mehr Kontrolle hier, ein bisschen mehr Transparenz dort, mal ein neues Register, mal angehobene Grundsteuern. Wer raus will: Wegzugsbesteuerung. Ursula von der Leyen macht sich derweil Gedanken, wie man die Ersparnisse der Bürger, also deren “faules Geld”, das oft nur auf Konten herumliegt und nichts tut, für Investitionen anzapfen kann. Erst Anreize, dann Kriegsanleihen?
Der Staat macht gerade wirklich alles, um als Freiluftgefängnis wahrgenommen zu werden. Es ist egal, welches Beispiel man nimmt: Immer geht es um weniger Optionen für den Bürger und mehr Kontrolle für den Staat. Erst Transparenz und Inventur, dann Zugriff, scheint die Marschrichtung zu sein.
Ab 2027 ist es EU-Bürgern zum Beispiel nicht mehr möglich, ein Auslandskonto zu haben, wenn die Bank nicht auch in der EU eine Niederlassung besitzt.
Was kann man dem Staat derweil an persönlichen Daten anvertrauen? In Frankreich sehen wir gerade: am besten nichts. Dort hat eine Mitarbeiterin in der Finanzverwaltung die Liste mit den größten Krypto-Eigentümern im Land an die Mafia verkauft. Es gab daraufhin Überfälle, Kidnapping. Dem Gründer eines Bitcoin-Unternehmens in Frankreich wurde bei einem Kidnapping ein Finger abgetrennt.
Der Staat: Unsere kleine Farm
Im Grunde ist auch in der modernen Demokratie das Verhältnis Bürger zum Staat wie dasjenige von Nutztier zu Bauer. Wir sind alle in unserer kleinen Farm.
Der Staat kann keinen echten Mehrwert schaffen, er kann nur abschöpfen. Energieerzeuger und Mehrwertschaffer ist immer nur der Einzelne. Im Kern versucht der Staat jeden Energiegewinn durch seine Bürger abzuschöpfen, und jeden monetären Energieverlust durch seine Bürger zu verhindern. Wer raus aus dem System will, muss sich erst freikaufen und kommt dafür in ein anderes System (sofern man sich nicht für den Status des Perpetual Travelers entscheidet). Thermodynamisch gesprochen, geht die Energie des Bürgers dem Staatssystem idealerweise nie verloren.
Souverän(er) ist demnach, wer über seinen eigenen Energiehaushalt verfügt. Denn dieser bestimmt zugleich über Handlungsoptionen, Bewegungsradius sowie den Grad der Eigenkontrolle. Wie wird unser Energie-Austausch-Verhältnis mit moderner Technologie sein? Befreiungstool oder Fortsetzung der kleinen Farm?
Effektiver Vermögensschutz beginnt deshalb bei der Frage der nüchternen Bilanz:
Was “gehört” mir eigentlich gerade wirklich?
Was ist nur eine Forderung?
Was besitze ich in Eigenverwahrung?
Was davon kann ich im Krisenfall tatsächlich mobilisieren?
Welche Kenntnisse und Fähigkeiten kann ich ausbauen und anwenden? Was von dem was ich bald brauchen könnte, muss ich spätestens jetzt lernen?
Schon der römische Kaiser Marcus Aurelius wusste, dass zur Kontrolle über das eigene Leben massgeblich die Kontrolle der eigenen Gedanken gehört. Es ist kein Wunder, dass sich die Kampfzone der Moderne auf dieses innere Gebiet ausgeweitet hat. Staatlich-korporatische Mittel der Gedankenkontrolle sind letztlich der Schlussstein der Dominanzbemühung über einen immobil gemachten, in seinen Handlungsoptionen beschnittenen Menschen.
Was ist die Lösung in einer sich ständig verändernden Situation, die jedoch stets in eine Richtung zu gehen scheint?
Vorausüberlegen, wusste Baltasar Gracian. Mal einen Gedanken an die Zukunft verschwenden lohnt immer. Der Energieaufwand für die Vorausschau ist schlicht geringer als für die Nachsorge.
Es gibt ein Leben nach jedem dem Systemwechsel. Die Frage ist nur, auf welchem Energielevel diese Existenz weitergeführt wird. Wer später keinen Verlust an Handlungsoptionen haben will, muss sich deshalb heute fragen, was gerade unternommen werden muss, um die Handlungsoptionen jetzt zu vergrössern – statt später zu versuchen, verloren Spielräume zurückzugewinnen.
Zum Kennzeichen von Krisen gehört ein gewisses Mass an Chaos und Unplanbarkeit. Eine Kernkompetenz wird deshalb sein, agil auf sich verändernde Umstände reagieren zu können. Kein Plan überlebt bekanntlich den ersten Feindkontakt, Anpassungsfähigkeit schon.
Klar ist aber auch: Wer sich um die eigenen Handlungsoptionen gar nicht erst kümmern will, hat seine Souveränität bereits aufgegeben.
Für alle anderen ist das Spiel, das letztlich eine Art Wettlauf ist, offen.
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