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Avatar von Milosz Matuschek

Danke an alle für die vielen Reaktionen, hier und auch per Mail. Das Format kommt sehr gut an. Welches Thema sollte als nächstes auf die Bühne der "Streitkultur"? Schlagen Sie gerne eines vor (und noch besser: springen Sie selbst in den Ring, wie Ralf). Wir lüften im Chat ausserdem das Geheimnis, welche Position Ralf wirklich in Sachen Sterbehilfe vertritt und analysieren das Ergebnis der Umfragen. Wie könnte dieses Format weitergehen? Wären Sie als Leser der Freischwebende Intelligenz interessiert, mitzumachen? Ggf. jemanden zum Duell zu fordern? Ob prominent oder nicht? Jedenfalls wäre es lehrreich und sinnstiftend, in tiefere Debatten einzusteigen! Mehr hier im Chat: https://substack.com/chat/95541

Avatar von Thias

Als ehrenamtlicher Sterbebegleiter habe ich von den Sterbenden, die ich begleitet habe, viel gelernt. So habe ich z.B. jegliche Angst vor dem Tod verloren: ich empfinde es von meinen Beobachtungen her lediglich als ein Hinübergehen. Das Sterben als solches ist aber nicht einfach, da der gesamte Prozess sich häufig über Wochen und Monate hinzieht. Die Schmerzen (besonders bei Krebs) hat die Palliativmedizin dabei weitestgehend im Griff.

Wenn ich zurückdenke, haben mich die Nachrichten von Suiziden im erweiterten Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis immer wieder schockiert. Wie viel schlimmer muss es wohl für die direkten Angehörigen und Freunde sein...? Wäre es nicht besser für alle, eine gemeinsame und geplante Entscheidung treffen zu können? Ein klares Ja, doch wie kann das gelingen?

Vor Jahren habe ich die Dokumentation über eine Frau gesehen, die sich für das Sterbefasten entschieden hatte - also den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. Sie hatte eine bakterielle Infektion aus dem Urlaub mitgebracht, die ihren Körper von innen aufgefressen hat.

Hier ist der dazugehörige Klappentext zur DVD "Sterbefasten - Freiheit zum Tod": eine Dokumentation über den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit von Marion M., DVD-Video, Andreas von Hören, Medienprojekt Wuppertal 2015:

"Am 8. August 2013 ist Marion M. in den frühen Morgenstunden friedlich zu Hause eingeschlafen. Sie verstarb, nachdem sie sich einige Monate vorher entschlossen hatte, ihrem Leiden und Leben durch 'Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit' ein selbstbestimmtes Ende zu setzen. Am 16. Juli begann sie mit dem Sterbefasten, gut drei Wochen später war sie tot. Die 56-Jährige verkürzte ihr Leben, das ohnehin bald geendet hätte, zu einem selbst gewählten Zeitpunkt. Zur Autonomie und Freiheit zum Tod gehörte für sie auch, sich nicht von 'aktiver Hilfe' zu einem Suizid abhängig machen zu müssen. Nach 18 Monaten 'Martyrium' sah sich Marion M., die ihr ganzes Leben lang selbstbestimmt und viele Möglichkeiten nutzend verbachte, in einem kranken Körper eingesperrt, der alle Vorstellungen ihrer Lebensplanung unmöglich machte. Zum Schluss hatte sie nur noch den Wunsch nach Schmerzfreiheit und einer 'stimmigen Atmosphäre, um gehen zu können'. Der Tod in der Nähe ihrer Familie betreut durch den einfühlsam unterstützenden Arzt war für Marion M. eine Erleichterung".

So sieht wirkliche Autonomie im Sterbeprozess aus. Begleiten lassen (Schmerzmittel) kann jeder sich von einem Arzt seines Vertrauens. Das ist heute schon möglich und legal, und es wird sicher meine Art des Sterbens sein, wenn ich nicht mehr leben will.

Der assistierte Suizid ist anders gelagert, da der Sterbewillige abhängig von seinem Umfeld ist. Das muss rechtlich fein abgestimmt werden. Wer ist berechtigt, dem Suizid zu assistieren, und unter welchen Umständen darf das geschehen?

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